Februar der Rekorde

In den Niederungen der Alpensüdseite stieg die Februartemperatur deutlich über die bisherigen Rekordwerte. In der übrigen Schweiz bewegte sich der Februar lokal im Rekordbereich. Landesweit war es der zweitwärmste Februar seit Messbeginn 1864. Ähnlich warm zeigte sich der Februar letztmals vor 30 Jahren. Neben dem Monatsrekord gab es zahlreiche Rekorde bei den Tageshöchstwerten mit zum Teil 18 bis über 20 °C. Regional war es zudem der stürmischste Februar seit Beginn der automatischen Messungen vor knapp 40 Jahren. Mit dem extrem milden Februar endete der wärmste Winter seit Messbeginn 1864.

Prächtiges Februarwetter im Misox auf der Alpensüdseite am 22. Februar 2020
Bild: Joël Fisler

Massiver Rekord im Süden

Auf der Alpensüdseite zeichnet sich ein massiver Februarrekord ab. In den Niederungen des Tessins liegt die erwartete Februartemperatur bei 8,3 °C. Sie bewegt sich damit knapp 1 °C über dem bisherigen Rekordfebruar von 1990 oder knapp 4 °C über der Norm 1981−2010. Betrachtet man die 20 wärmsten Februarmonate seit Messbeginn 1864, zeigt sich die bekannte Häufung hoher Februarwerte nach 1990. Nur sieben der 20 wärmsten Februarmonate liegen vor 1990.

Rekorde auch im Norden

Neue Februarrekorde sind auch in der Westschweiz, im Wallis und in der Zentralschweiz zu erwarten. Im Vergleich zur Alpensüdseite liegen die Temperaturwerte aber weniger weit über den bisherigen Februarrekorden.

Landesweit zweitwärmster Februar

Im landesweiten Mittel wurde mit 1,6 °C der zweitwärmste Februar seit Messbeginn 1864 registriert. Etwas milder zeigte sich vor 30 Jahren der Februar 1990 mit 2,1 °C. Alle übrigen Februarmonate lagen im landesweiten Mittel unter 1,5 °C. Die landesweite Februarnorm 1981−2010 liegt bei -2,3 °C.

Importierte Wärme

Werden die täglichen Wetterlagen über dem Grossraum Atlantik-Europa für den Februar 2020 gemittelt, zeigt sich eine Häufung von Hochdruck über Südwesteuropa oder dem westlichen Mittelmeer. Im Gegenzug dazu befand sich der nördliche Atlantik häufig unter Tiefdruck. Zwischen diesen Druckzentren bildete sich regelmässig eine Südwestströmung. Sie führte milde oder sogar subtropische und oft auch feuchte atlantische Luftmassen nach Mitteleuropa. Kaltluftvorstösse waren hierzulande Mangelware und jeweils nur von kurzer Dauer.

Die wärmsten Februartage seit Messbeginn

Mit der importierten Wärme bewegte sich die Tagesmitteltemperatur in der Schweiz vom 1. bis zum 24. Februar fast durchwegs deutlich über der Norm 1981−2020. Nördlich der Alpen sank das Tagesmittel regional nur am 6. und 7. Februar leicht unter die Norm. Auf der Alpensüdseite gab es bis zum 24. Februar vielerorts keinen Tag mit unterdurchschnittlichem Tagesmittel. An knapp 40 Messstandorten stieg die Tagesmitteltemperatur auf neue Februarrekorde. Sie wurden mehrheitlich am 3. sowie am 23. und 24. Februar registriert.

Noch mehr Wärmerekorde

Die ersten drei Februartage zeigten sich auch nachts extrem mild. Am 3. Februar gab es an über 30 Messstandorten mit längeren Messreihen neue Februarrekorde bei der Tagesminimumtemperatur. Nördlich der Alpen sank die Temperatur verbreitet nicht unter 10 °C, lokal blieb sie über 12 °C.

Auf der Alpensüdseite registrierten am 3. Februar Magadino und Grono mit 23,9 °C sowie San Bernardino mit 13,5 °C neue Februarrekorde der Tagesmaximumtemperatur. Grono verzeichnete am 24. Februar mit 24,0 °C nochmals einen minim höheren Wert.

Am 16., 23. und 24. Februar wurden an weiteren acht Messstandorten der Schweiz neue Februarrekorde der Tagesmaximumtemperatur gemessen. Zusätzlich meldeten knapp 30 Messstandorte das zweit- oder dritthöchste Februar-Tagesmaximum.

Die höchsten Messwerte

Schweizweit am höchsten stieg die Temperatur in Biasca am 24. Februar mit 24,6 °C. Hier schrammte man knapp an einem Sommertag vorbei. Der Messstandort Biasca erfasst die Temperatur erst seit etwas mehr als zwei Jahren. Ein Vergleich mit früher ist nicht möglich.

Auf der Alpennordseite registrierte Delémont am 16. Februar mit 21,2 °C das höchste Tagesmaximum. Das ist weit entfernt von der 25-Grad Grenze des Sommertags.

Stürmischer Februar

Der Februar 2020 zeigte sich ungewöhnlich stürmisch. Auf dem Säntis wurden 23 Sturmtage gezählt. Seit Messbeginn 1981 lieferte der Februar hier maximal 19 Sturmtage. Auf dem Chasseral war es mit 23 Sturmtagen. ebenfalls der stürmischste Februarmonat seit Messbeginn 1981. In den Tieflagen der Alpennordseite wurde lokal der deutlich stürmischste Februar seit Messbeginn 1981 aufgezeichnet, so zum Beispiel in Zürich-Kloten mit 8 und in Wädenswil mit 7 Sturmtagen.

Kräftiger Wintersturm Sabine

In der ersten Februarhälfte zogen drei Winterstürme über die Schweiz, Petra am 4., Sabine am 10. und Tomris vom 13. auf den 14. Februar. Am kräftigsten entwickelte sich der Sturm Sabine vom 10. Februar. Im Mittelland erreichten die Windspitzen verbreitet 90 bis 120 km/h. Auf den Jurahöhen stiegen die Höchstwerte auf 140 bis 160 km/h, in Gipfellagen auf 160 bis 200 km/h. Deutlich heftiger als Sabine tobte der extreme Wintersturm Lothar vom Dezember 1999. Heftiger als Sabine zeigte sich auch Sturm Burglind vom Januar 2018.

Landesweit ähnlich heftig wie Lothar war vermutlich vor 30 Jahren der Wintersturm Vivian vom 27. Februar 1990. Aus der damaligen Zeit sind jedoch nur verhältnismässig wenige Windmessungen verfügbar. Ein flächiger Vergleich wäre deshalb sehr lückenhaft.

Vereinzelt Windrekorde

Die Sturmaktivität im Februar 2020 führte ganz lokal zu Windrekorden an Messstandorten mit längeren Messreihen. In der kräftigen Südwestströmung vom 9. Februar, am Abend vor Sabines Durchzug, registrierte der Jura-Standort Rünenberg den Rekordwert von 148 km/h. Der bisherige Höchstwert von 143 km/h stammt vom 16. Dezember 2011.

Auf dem Napf brachte Sturm Petra am 4. Februar den neuen Rekord von 171 km/h. Bisheriger Rekordhalter war Sturm Vivian vom 27. Februar 1990 mit 169 km/h. Dazu ist allerdings zu bemerken, dass auf dem Napf die Messungen während der Stürme Lothar, Burglind und Sabine ausfielen.

Kaum Niederschlag im Süden, reichlich im Norden

Die Alpensüdseite erhielt bis am 25. Februar weit unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Verbreitet fielen weniger als 10 %, gebietsweise weniger als 5 % der Norm 1981−2010. Dies nach einem bereits sehr niederschlagsarmen Januar. Die anhaltende Niederschlagsarmut führte auf der Alpensüdseite zu einer grossen Waldbrandgefahr.

Mit einer ähnlichen Niederschlagsarmut während der Monate Januar und Februar ist im südlichen Tessin etwa alle 15 bis 20 Jahre zu rechnen. Vergleichbar wenig Niederschlag während Januar und Februar gab es in Lugano letztmals in den Jahren 2005 und 2000.

In der übrigen Schweiz sorgten im Februar die regelmässigen Südwestströmungen mit ihren feuchtmilden atlantischen Luftmassen für reichlich Niederschlag. Die Februarsummen erreichten verbreitet 120 bis 160 %, am östlichen Alpennordhang 170 bis 200 % der Norm 1981−2010.

Vegetation mit einem Monat Vorsprung

Die sehr frühe Blüte der Haselsträucher setzte sich im Februar fort. Sie blühten im Februar verbreitet in Höhenlagen oberhalb von 1000 m. Auch im Flachland ging die Blüte weiter. Der Vorsprung auf das Mittel des Blühtermins der Periode 1981-2010 betrug im Februar 30 Tage. 74 Prozent aller Beobachtungen konnten in die Klasse «sehr früh» eingeordnet werden. Bis zum aktuellen Zeitpunkt liegen Meldungen von 50 Stationen mit langen Datenreihen von 25–68 Jahren vor. An 11 dieser Stationen blühten die Haselsträucher noch nie so früh wie in diesem Jahr, an weiteren 12 Stationen war es die zweitfrüheste Blüte.

Auch die Frühlingsblumen entwickelten sich sehr früh. Blühender Huflattich wurde ab Anfang Februar entdeckt, 25 Tage früher als im Mittel. Ganz vereinzelt konnten sogar schon blühende Buschwindröschen beobachtet werden. In den Wäldern lässt sich Bärlauch finden.

Seit dem sehr milden Wochenende vom 22./23. Februar sieht man überall, wie die silbrigen Weidenkätzchen aufblühen und ihre gelben Staubbeutel mit den Pollen aus den silbrigen Haaren hervorstrecken. Weiden sind zweihäusig getrenntgeschlechtlich, die männlichen und weiblichen Blütenstände befinden sich auf verschiedenen Sträuchern. Wenn es genug warm ist, werden Weidenblüten fleissig von Bienen besucht, die Nektar und Pollen sammeln.

Rekordwinter

Die Schweiz blickt auf den mildesten Winter seit Messbeginn 1864 zurück. Im landesweiten Mittel erreichte die Temperatur von Dezember bis Februar 0,7 °C. Eine ähnliche extreme Winterwärme mit landesweit über Null Grad gab erst viermal in der über 155-jährigen Messgeschichte der Schweiz. Vor 1990 bis zum Messbeginn 1864 zurück blieb die landesweite Wintertemperatur immer deutlich im Minusbereich. In den letzten 30 Jahren folgten sich extreme Warmwinter mit über 0 °C in immer kürzeren Zeitabständen.

Regional ungewöhnlich sonnig

Der Winter 2019/20 war nördlich und südlich der Alpen überdurchschnittlich sonnig im Vergleich zur Norm 1981−2010. In den Alpen bewegte sich die winterliche Sonnenscheindauer im Bereich der Norm.

Die West- und Nordwestschweiz erlebte den dritt- bis fünftsonnigsten Winter seit Messbeginn Ende des 19. Jahrhunderts. Die Sonnenscheindauer erreichte hier 250 bis 300 Stunden oder 130 bis 160 % der Norm 1981−2010. Ganz wesentlich dazu beigetragen hat der extrem sonnige Januar. An allen vier Messstandorten mit über 100-jährigen homogenen Aufzeichnungen lieferte er neue Sonnenscheinrekorde.

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