Die KPS fördert die Erforschung von jahreszeitlich wiederkehrenden Phänomenen. Sie bildet ein Podium für den inter- und transdisziplinären Dialog zwischen Forschenden und Anwenderinnen oder Anwendern der Phänologie.mehr

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Feasting on the ordinary or starving for the exceptional!

Feasting on the ordinary or starving for the exceptional!

Vitasse Yann et al. Ecology and Evolution (2024) (2023). Feasting on the ordinary or starving for the exceptional in a warming climate: phenological synchrony between spongy moth (Lymantria dispar) and budburst of six European tree species. https://doi.org/10.1002/ece3.10928

Schwammspinner_KPS
Schwammspinner_KPS
Schwammspinner_KPSBild: Ramsen SH
Bild: Ramsen SH

Die globale Erwärmung stört die fein abgestimmten Rhythmen der Natur und bringt die komplexe Synchronisation zwischen Pflanzen und Tieren, die sich über Jahrtausende entwickelt hat, durcheinander. In unserer Studie untersuchten wir die Auswirkungen wärmerer Wintertemperaturen auf den Zeitpunkt des Austreibens der Blätter von sechs häufigen europäischen Baumarten und auf das Schlüpfen des Schwammspinners (Lymantria dispar), der sich von den Blättern ganz unterschiedlicher Wirtspflanzen ernährt. Die Vitalität des Schwammspinners hängt davon ab, wann die Eier im Vergleich zum Ausbrieb der Blätter schlüpfen. Wenn die Eier des Nachtfalters zu früh schlüpfen, verhungern die Raupen, während sie sich bei zu spätem Schlüpfen von widerstandsfähigeren Blättern ernähren, die von der Pflanze synthetisierte Abwehrverbindungen enthalten, was zu einer höheren Sterblichkeit und einer schwächeren Entwicklung der Raupen führt. Wir setzten Eier dieses Schmetterlings sowie Zweige verschiedener Baumarten vier Temperaturbehandlungen aus, die wärmere Winter mit kalten Temperaturen nachahmten, die nicht ausreichten, um die Winterdiapause der Schmetterlingseier und die Knospenruhe vollständig aufzuheben. Wir stellten fest, dass der Austriebserfolg und das Überleben der Zweige bei allen Baumarten unter Raumtemperaturbedingungen am höchsten waren, bei wärmeren Wintertemperaturen jedoch abnahmen, insbesondere bei einigen Arten wie Linde und Ahorn, die offenbar mehr Kälte benötigten, um ihre Dormanz aufzuheben. Während das Schlüpfen der Schmetterlingseier unter Umgebungsbedingungen gut mit dem Austrieb der verschiedenen untersuchten Baumarten synchronisiert war, nahm diese Synchronisation bei wärmeren Temperaturen ab, insbesondere bei Baumarten, die eine längere Kühlung benötigten, um die Dormanz vollständig aufzuheben. Das Schlüpfen der Eier war jedoch perfekt mit dem Erscheinen der Blätter von Eiche und Hainbuche synchronisiert, an denen die Raupen häufig fressen und erheblichen Schaden anrichten. Überraschenderweise beobachteten wir, dass die Raupen des Schmetterlings eine Präferenz und eine bessere Entwicklung zeigten, wenn sie mit Buchenblättern gefüttert wurden, obwohl das Auftauchen der Buchenblätter bei wärmerem Klima nicht mit dem Schlüpfen der Raupen synchronisiert ist. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der massive Schwammspinnerbefall in den Eichen- und Hainbuchenwäldern West- und Mitteleuropas bei weiter steigenden Temperaturen wahrscheinlich fortbestehen wird. Diese Studie verdeutlicht die komplexen Wechselwirkungen zwischen den Arten und die Notwendigkeit weiterer Forschung, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ökosysteme zu verstehen und abzuschwächen.

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